Vorausbeschaffung Strom und Gas
Der nächste Vertrag lässt sich kaufen, während der laufende läuft.
Ein Einkaufstag ist eine Wette. Ein Einkaufszeitraum ist eine Entscheidung.
Die meisten Betriebe kaufen Strom und Gas dann, wenn der alte Vertrag endet. Damit hängt der Preis für ein oder mehrere Jahre an der Notierung eines einzigen Tages – eines Tages, den nicht der Betrieb ausgesucht hat, sondern der Kalender.
IDer Anlass
Der Kalender bestimmt den Preis, nicht der Betrieb.
Ein Liefervertrag endet an einem festen Datum. Wer erst dann kauft, nimmt den Kurs, der an diesem Tag gilt. Steht der Markt hoch, gilt dieser Kurs für die gesamte neue Laufzeit; steht er tief, war es Glück. In beiden Fällen hat der Betrieb den Zeitpunkt nicht gewählt.
Das ist keine Frage der Marktkenntnis, sondern der Organisation. Wer zwölf Monate vor Vertragsende beginnt, hat zwölf Monate zur Auswahl. Wer zwei Monate vorher beginnt, hat zwei. Die Zahl der möglichen Einkaufstermine ist der einzige Teil dieser Rechnung, den ein Betrieb selbst in der Hand hat.
Zur Lage am Markt gehört eine nüchterne Feststellung: Es gibt keine Mangellage, aber Unsicherheit. Versorgung ist nicht das Problem – Planbarkeit ist es.
IIVorausbeschaffung
Kaufen, bevor der alte Vertrag endet.
Strom und Gas lassen sich für Lieferzeiträume kaufen, die erst in Zukunft beginnen – am Markt üblicherweise bis zu fünf Jahre im Voraus. Der laufende Vertrag bleibt dabei unberührt: Er läuft bis zu seinem regulären Ende weiter, mit unveränderten Konditionen. Gekauft wird nicht das laufende Jahr, sondern das übernächste.
Damit trennt sich zweierlei, was sonst zusammenfällt: der Zeitpunkt, zu dem die Lieferung beginnt, und der Zeitpunkt, zu dem der Preis festgelegt wird. Nur der zweite ist überhaupt beeinflussbar.
bis 5Jahre
Üblicher Vorlauf am Markt
Wie weit im Voraus tatsächlich gekauft werden kann, hängt vom Lieferanten und vom Abnahmeprofil ab.
0Eingriff
Wirkung auf den laufenden Vertrag
Der bestehende Vertrag läuft unverändert bis zu seinem Ende. Die Vorausbeschaffung betrifft ausschließlich den Zeitraum danach.
IIITranchen
Die Menge in Teilen kaufen.
Bei der Tranchenbeschaffung wird die benötigte Jahresmenge nicht an einem Tag gekauft, sondern in Teilmengen – den Tranchen – über einen längeren Zeitraum verteilt. Jede Tranche wird zu dem Kurs festgeschrieben, der an ihrem Kauftag gilt. Der Preis für die gesamte Lieferung ist am Ende der mengengewichtete Durchschnitt aller Tranchen.
Was das leistet, lässt sich präzise sagen – und was nicht: Es senkt nicht den Preis. Es verringert den Einfluss, den ein einzelner Tag auf das gesamte Jahr hat. Wer bei jeder Tranche den besten Kurs treffen will, hat das Verfahren missverstanden.
Tranchen sind kein Werkzeug, um günstiger einzukaufen. Sie sind ein Werkzeug, um nicht von einem einzigen Tag abhängig zu sein.
IVGegenüberstellung
Einkaufstag und Einkaufszeitraum.
Ordnen Sie sich selbst ein: Wenn Sie nicht wissen, an welchem Tag Ihr aktueller Preis entstanden ist, war es ein Einkaufstag.
| Merkmal | Einkaufstag | Einkaufszeitraum |
|---|---|---|
| Zeitpunkt der Preisbildung | Ein einziger Termin, meist kurz vor Vertragsende | Mehrere Termine, verteilt über Monate oder Jahre |
| Woraus der Preis entsteht | Aus der Notierung dieses einen Tages | Aus dem Durchschnitt der einzelnen Tranchenkurse |
| Wenn der Markt an diesem Tag hoch steht | Der Kurs gilt für die gesamte Laufzeit | Betroffen ist nur die an diesem Tag gekaufte Teilmenge |
| Wenn der Markt danach fällt | Kein Nachkauf mehr möglich | Die noch offenen Tranchen können günstiger liegen |
| Erwartbares Ergebnis | Der Tageskurs – im Guten wie im Schlechten | Ein geglätteter Preis, weder Bestwert noch Schlechtwert |
| Aufwand | Ein Termin, eine Entscheidung | Laufende Beobachtung und mehrere Entscheidungen |
| Planbarkeit im Budget | Erst nach dem Termin bekannt | Wächst mit jeder abgeschlossenen Tranche |
VFür Strombezieher
Warum der Gaspreis auch dann zählt, wenn Sie kein Gas beziehen.
An der Strombörse werden die Kraftwerke nach ihren variablen Kosten geordnet und in dieser Reihenfolge zur Deckung der Nachfrage herangezogen – vom günstigsten aufwärts. Den Preis für alle setzt das teuerste Kraftwerk, das noch gebraucht wird, um die Nachfrage der jeweiligen Stunde zu decken. Dieses Prinzip heißt Merit-Order.
In vielen Stunden ist dieses letzte, preissetzende Kraftwerk ein Gaskraftwerk. Damit schlägt sich die Entwicklung am Gasmarkt in der Strombörsennotierung nieder – unabhängig davon, ob Ihr Betrieb Gas bezieht oder nicht.
Für die Beschaffung folgt daraus nur eines, aber das mit Nachdruck: Wer Strom kauft, sollte den Gasmarkt mitlesen. Nicht um ihn vorherzusagen, sondern um zu verstehen, warum sich der eigene Preis bewegt.
VIIBeidseitig
Was wir brauchen, was Sie bekommen.
Was wir brauchen
- Monat und Jahr, in dem der laufende Vertrag endet
- Jahresmenge je Medium und je Abnahmestelle
- Bei Leistungsmessung: den Lastgang oder ersatzweise das Abnahmeprofil
- Die Kündigungsfrist des laufenden Vertrages
Was Sie bekommen
- Eine Aufstellung, welcher Beschaffungszeitraum bis zu Ihrem Vertragsende noch offensteht
- Die für Ihr Profil in Frage kommenden Beschaffungsformen, mit ihren Nachteilen
- Eine Einschätzung, ob sich der Aufwand einer Tranchenbeschaffung bei Ihrer Menge trägt
- Keine Preisprognose – die gibt es hier nicht
Der nächste Schritt
Sagen Sie uns, wann Ihr Vertrag endet.
Monat und Jahr genügen. Damit lässt sich sagen, welcher Beschaffungszeitraum überhaupt noch offensteht und ob eine Vorausbeschaffung in Ihrem Fall Sinn ergibt. Ihr laufender Vertrag bleibt davon unberührt.
Wir geben keine Preisprognose ab. Niemand kennt die Notierung des nächsten Quartals – der Unterschied liegt darin, ob man sich auf einen einzigen Tag festlegen muss.
Rechtlicher Hinweis
Diese Seite beschreibt Beschaffungsformen, keine Marktprognose. Ob und zu welchen Konditionen eine Vorausbeschaffung möglich ist, hängt vom Lieferanten, vom Abnahmeprofil und von der Bonität ab und wird im Einzelfall geprüft. Vergangene Notierungen lassen keinen Schluss auf künftige zu.
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